Lichtstrom trifft Luftstrom

Die Installation „SCHEMEN“ des Kölner Künstlers R.J.Kirsch im PETERSBURGER | Raum für Kunst

Schatten an der Wand
Installation SCHEMEN,
LED, Farbfolie, div. Materialien, Sockel, Heißkleber, 5 x 4 m, 2018

In dem ca. 12 qm großen Ausstellungsraum der Galerie PETERSBURGER in Köln hängt in der Mitte ein Objekt, das von drei auf einem Sockel ruhenden Taschenlampen bestrahlt, einen wandfüllenden Schatten wirft. Dieses Schattenbild besteht aus vielen farbigen Segmenten, die korrespondierend zu der sanften Drehung des Objektes ständig ineinanderfließen.

Seit den 90er Jahren arbeitet der Kölner Maler und Konzeptkünstler Rolf Kirsch nun mit der Projektion von Schattenbildern. In der Auseinandersetzung um das Verhältnis von Malerei und technischen Bildmedien, die bereits kurz nachdem Studium seine Arbeit dominierte, wurden Schatteninszenierungen für den Maler schnell zum eigentlichen Medium, sah er hier doch eine Schnittstelle zwischen Malerei und virtuellem Bild.


Installation SCHEMEN

In Folge begann er mit einer intensiven Untersuchung technischer Bildproduktion, ebenso wie auch mit zeichnerischen Arbeiten, wodurch sich seine Bildvorstellung zunehmend seriell strukturierte. Typisch für diese Phase wurden seine scriptartigen Tableaus aus hieroglyphenartigen Zeichen, die wie eine Schrift aneinandergereiht den filmischen Charakter seiner späteren Schattenbildsequenzen vorwegzunehmen scheinen. Von hier aus entstanden dann erste Umsetzungen von Zeichnung in Schattenkompositionen. Grundsätzlich ausgehend von dem Prinzip des Fotogramms entwickelt Kirsch seine Schattenprojektion konsequent weiter, reines Schwarz-Weiß wird um die drei Grundfarben erweitert, die sich in zunehmend komplexer werdenden Objekten brechen und in der Schattenprojektion einen dreidimensionalen Raum aufzuspannen scheinen. Requisiten nennt er diese Skulpturen, die in der weiteren Entwicklung eine eigenständige Bedeutung bekommen. Zuletzt schweben diese Requisiten in langsamer Rotation vor den Lichtquellen, sodass sich ihre in Bewegung geratenen Schatten in einem gleichsam filmischen Ablauf ständig gegeneinander verschieben.

Nun kann man angesichts des Schattenbildes, das Kirsch im Kunstraum PETERSBURGER aktuell eingerichtet hat, eine ganze Reihe von Assoziationen und Bezüge auch philosophischer Natur herstellen. In seinen eigenen Ausführungen hat der Künstler dieses immer vermieden, zu strapaziert und auch bemüht sind solche Verweise oft. Das platonsche Höhlengleichnis z.B. oder das panta rhei [zu deutsch: alles strömt, alles fließt] des griechischen Philosophen Heraklit. Zumindest das Höhlengleichnis wird dann in der Regel meist verkürzt zitiert. Denn es beschreibt nicht nur die erkenntnistheoretische Beschränkung des Menschen, der im Gleichnis das Schattenbild in der Höhle für eine wirkliche Welt hält, sondern schließt vor allem mit der Frage, ob es nicht eine ethische Pflicht derjenigen sei, die die wirkliche Welt erkannt haben, dies den "Verblendeten" mitzuteilen, um ihren Irrtum aufzuklären.

Zumindest was diesen Anspruch anbetrifft hat die Installation "SCHEMEN" keinen Nachholbedarf. Bei aller Bildillusion, die sich dem Auge des Betrachters bietet, hat dieser zugleich immer die schattenwerfenden Objekte im Blick, bleibt also eine Verwechslung von Illusionsraum und Realraum von vorneherein ausgeschlossen.

Requisit #8
div. Materialien, Heißkleber, 25 x 25 x 25cm, 2016


Wie sehr am Ende der Betrachter auch ein Bestandteil der Installation wird, zeigt die langsame Rotation der vor den Lichtquellen hängenden Objekte. Allein die Bewegungen des wandelnden Publikums bringt die Skulptur in langsame Drehung wodurch die Projektion an der Wand vom stehenden Bild zum Film wird.
Luftstrom trifft Lichtstrom.

blau.

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R.J.Kirsch | SCHEMEN
Installation im Petersburger Raum für Kunst

Gladbacher Str.50
50672 Köln

Eröffnung am 8.11.2018, 18.00 Uhr
Ausstellung vom 9.11-13.11.2018
tägl. ab 17.00 Uhr

www.r-j-kirsch.de

Installation SCHEMEN

Installation SCHEMEN
Requisit, div. Materialien, Heißkleber, 5 x 4 m, 2018

Installation SCHEMEN

Chiffren 1-15
Tusche auf Papier, 2016

Prints
Farbfotogrammer, 21 x 28, 2010

Requisit #8, Still #34
div. Materialien, Heißkleber, 25 x 25 x 25 cm, 2016
Lichtkasten 30 x 30 x 5 cm, Fotografie, 1999

Requisit #8, Still #34
div. Materialien, Heißkleber, 25 x 25 x 25 cm, 2016
Lichtkasten 30 x 30 x 5 cm, Fotografie, 1999

Chiffren, Prints

Requisit #8, Still #34, Still #45
div. Materialien, Heißkleber, 25 x 25 x 25 cm, 2016
Lichtkästen 30 x 30 x 5 cm, Fotografie, 1999


3.41

2.32

8.36